Stadthallen entwickeln sich zunehmend zu Bühnen der rechten bis verschwörungsideologischen Szene. Das Beispiel Apolda zeigt erneut, wie tief solche Netzwerke mittlerweile in öffentliche Räume vorgedrungen sind. Als Zugpferde dienen ausgerechnet Figuren wie Hans-Georg Maaßen, Diether Dehm oder Wolfgang Wodarg – Namen, die seit Jahren durch Desinformation, verschwörungsideologische Narrative oder die Relativierung demokratischer Institutionen auffallen. Das Muster ist immer dasselbe: Dauerkrise, Systemversagen, angeblich „gleichgeschaltete Medien“, angeblich unterdrückte Wahrheiten. Die Inszenierung lebt von Angst, Misstrauen und dem gezielten Eindruck, Staat und Demokratie stünden kurz vor dem Zusammenbruch. Genau dieses Klima braucht die rechte Szene: Verunsicherung, Wut und das permanente Gefühl, „belogen“ zu werden. Besonders perfide ist dabei die Selbstinszenierung als mutige Außenseiter. Da wird von „Klartext“ und „Mut“ gesprochen, während gleichzeitig altbekannte verschwörungsideologische Erzählungen recycelt werden. Die Veranstaltung wirbt sogar offen damit, „Mainstream-Medien“ würden die Wahrheit verschweigen – ein klassisches Feindbild-Narrativ der Szene. Und natürlich darf der obligatorische Opfermythos nicht fehlen: angeblich „mundtot gemacht“, „zensiert“ oder „angefeindet“. Tatsächlich handelt es sich bei vielen der auftretenden Personen um bestens vernetzte Akteure mit enormer Reichweite innerhalb rechter, verschwörungsideologischer und esoterischer Milieus. Besonders absurd wirkt die Formulierung „Kein Podium für Selbstdarsteller“. Genau das ist diese Veranstaltung: eine Bühne für politische Selbstvermarktung, Empörungsgeschäft und verschwörungsideologische Mobilisierung. Wer sich als angeblich letzter Wahrheitsverkünder inszeniert, während er Tickets verkauft, Bücher vermarktet und Reichweite generiert, betreibt kein aufklärerisches Projekt, sondern kalkulierte Selbstinszenierung. Hinzu kommt: Die Stadthalle gehört der Stadt. Umso befremdlicher ist es, dass eine Veranstaltung mit derart offensichtlichen verschwörungsideologischen und demokratiefeindlichen Untertönen dort überhaupt stattfinden kann. Öffentliche Hallen sind keine neutralen Räume außerhalb gesellschaftlicher Verantwortung. Wenn kommunale Infrastruktur Akteuren zur Verfügung gestellt wird, die gezielt Misstrauen gegen Demokratie, Medien und staatliche Institutionen schüren, wirft das zwangsläufig Fragen auf. Problematisch ist zudem, dass selbst offizielle Stellen wie die Seite des Kreises Weimarer Land die Veranstaltung als normalen Hinweis verbreiten. Das verleiht einem Milieu Legitimität, das gezielt demokratische Institutionen delegitimiert. Dass dort mit Hans-Georg Maaßen ein ehemaliger Verfassungsschutzpräsident auftritt, dem seit Jahren rechtsextreme und verschwörungsideologische Positionierungen vorgeworfen werden und der selbst vom Verfassungsschutz im Phänomenbereich Rechtsextremismus geführt werden soll, macht die Sache nicht besser. In Thüringen scheint das offenbar niemanden mehr ernsthaft zu irritieren. Übrigens: Selbst Tickets werden über einen Shop der FUNKE Medien Thüringen GmbH verkauft. Auch das zeigt, wie normalisiert und kommerzialisiert dieses Milieu inzwischen geworden ist. Rechte und verschwörungsideologische Veranstaltungen laufen längst nicht mehr nur über dubiose Kleinstplattformen, sondern finden zunehmend Anschluss an etablierte Strukturen und Vertriebskanäle. Hinter einem der szeneinternen Ticketportale steckt die »Krasser Guru GbR« – inzwischen ein regelrechter Markt der rechten und verschwörungsideologischen Szene. Der Kern bleibt jedoch das Ticketportal sowie der Verkauf von Büchern; daneben gibt es Webinare, Streams, Vorträge und Seminare. Von Daniele Ganser über Kayvan Soufi-Siavash (ehemals Ken Jebsen) bis hin zur Partei dieBasis ist dort nahezu das gesamte verschwörungsideologische Spektrum vertreten. Verkauft wird dabei immer dieselbe Erzählung: Das System lügt, die Demokratie funktioniert nicht mehr, nur „alternative Stimmen“ würden noch die Wahrheit sagen. Genau diese Erzählung ist brandgefährlich – weil sie Vertrauen in demokratische Institutionen gezielt zerstört und Menschen immer tiefer in autoritäre und antidemokratische Milieus zieht. /Obi * Kayvan Soufi-Siavash trat früher unter dem Namen „Ken Jebsen“ auf.
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