Israel: So funktioniert das Wahlsystem Heute sind rund 7,3 Millionen Israelis aufgerufen, die Knesset zu wählen. Israel hat etwa 10,2 Millionen Einwohner. Das israelische Parlament besteht aus 120 Abgeordneten. Die Zahl der Sitze geht auf die 120 Mitglieder der antiken jüdischen Ratsversammlung, der sogenannten Großen Knesset, zurück. Die Israelis wählen Parteilisten, keine einzelnen Kandidaten. Das gesamte Land bildet dabei einen einzigen Wahlkreis. Die Sitze in der Knesset werden proportional zu den Stimmen verteilt, die auf die jeweiligen Parteien entfallen. Die Parteien legen ihre Kandidatenlisten fest. Die Legislaturperiode beträgt regulär vier Jahre. In der politischen Praxis wird diese Dauer jedoch häufig nicht erreicht. Die zwischen 2022 und 2026 amtierende Knesset ist seit 1988 die einzige, die ihre reguläre Legislaturperiode vollständig absolviert hat. Noch nie konnte eine einzelne Partei in Israel eine absolute Mehrheit der Parlamentssitze erringen. Regierungen sind daher auf Koalitionen angewiesen. Die Sperrklausel liegt bei 3,25 Prozent der gültigen Stimmen. Parteien müssen diese Hürde überwinden, um Sitze in der Knesset zu erhalten. Bei 120 Sitzen entspricht die Sperrklausel rechnerisch ungefähr vier Mandaten. Eine feste Mindestgröße von vier Abgeordneten für jede Fraktion ergibt sich daraus allerdings nicht zwingend. Auch das passive Wahlrecht, also die Möglichkeit, selbst für die Knesset zu kandidieren, unterliegt Einschränkungen. Bestimmte Amtsträger dürfen nicht ohne Weiteres kandidieren. Dazu gehören unter anderem der Staatspräsident, der Staatsprüfer, Richter, jüdische Religionsrichter (Dajanim), Berufsoffiziere und bestimmte hochrangige Beamte. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt dürfen sie in der Regel wählen. Angehörige von Minderheiten, darunter Drusen, dürfen grundsätzlich wählen und gewählt werden. Voraussetzung ist, wie bei allen anderen, das Erreichen des jeweiligen Mindestalters. Einzelne Kandidaten oder Listen können jedoch aus rechtlichen Gründen von der Wahl ausgeschlossen werden. Nach der Wahl beginnt die Regierungsbildung. Der Staatspräsident konsultiert die im Parlament vertretenen Parteien und beauftragt anschließend einen Knesset-Abgeordneten mit der Bildung einer Regierung. Dieser versucht, eine ausreichende parlamentarische Unterstützung für sein Kabinett zu organisieren. Gelingt ihm dies, stellt er seine Regierung der Knesset vor. Entscheidend ist dabei nicht allein, welche Partei die meisten Stimmen oder Sitze erhalten hat. Der Vorsitzende der stärksten Partei wird nicht automatisch Ministerpräsident. Auch eine kleinere Partei kann durch ihre Position bei den Koalitionsverhandlungen zum entscheidenden Mehrheitsbeschaffer werden. Für die Regierungsbildung gelten gesetzliche Fristen. Scheitern die Bemühungen, können weitere Abgeordnete mit der Regierungsbildung beauftragt werden. Bleiben alle Versuche erfolglos, kann es zur Auflösung der Knesset und zu vorgezogenen Neuwahlen kommen. Auch unabhängig davon können politische Krisen oder das Scheitern einer Koalition vorzeitige Neuwahlen auslösen. Bis 2026 kam es in Israel insgesamt dreizehnmal zu vorgezogenen Parlamentswahlen. Soldaten im Einsatz und diplomatisches Personal dürfen auch im Ausland ihre Stimme abgeben. Dies ist bereits praktiziert worden.
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